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Blasmusik in Rohrbach von 1881 bis 1951

Leider können wir auf keine Akten oder Urkunden aus der Zeit von 1881-1951 zurückgreifen, die Aufschluss über die Blasmusikgeschichte in dieser Zeit gegeben hätten. Glücklicherweise kommen uns Aufzeichnungen von Johann Kunkel entgegen, die er 1956 anlässlich des 1. Bezirksmusikfestes in Rohrbach niedergeschrieben hat. Er hat durch umfangreiche Gespräche in der Gemeinde die Entstehung der Volksmusik in Rohrbach a.G. ergründet.

– 1881 –

Als erster Musiker im Ort ist demnach der im Jahre 1851 geborene Franz Gerber anzusprechen. In seinen jungen Jahren musizierte er in Gemeinschaft mit den Musikern Späth und Klein aus Kürnbach und Bäuerle aus Flehingen.

Musikliebende junge Männer kamen um das Jahr 1880/1881 hinzu, die von Franz Gerber am Instrument unterrichtet wurden. Es waren dies Jakob Schwarzmeier, Leopold Auer, Julius Gerber, Karl Kaltenmaier und Julius Kuhmann. Weiter wirkte aushilfsweise in dieser Kapelle Christian Schuld aus Sulzfeld mit. Aus den Feuerwehrakten ist zu entnehmen, dass bereits 1881 mit den vorgenannten Musikern die Feuerwehrmusik gegründet wurde, die am 1. Februar 1882 auch ihre eigene Satzung erhalten hat.

– 1900 –

Um die Jahrhundertwende wurden wieder musikbegeisterte Männer von Christian Schuld und dessen Sohn Wilhelm in Sulzfeld für die Blasmusik ausgebildet. Es waren dies Ludwig Rupp, Wilhelm Rupp, Gustav Rupp, Johannes Karg und Josef Steiner. Einige Jahre später trat noch Franz Kuhmann dieser jungen Kapelle bei. Ergänzt wurde diese Musik durch Julius Kuhmann als Bassist, der bereits bei der Gründung 1880/1881 mitwirkte. Diese kleine Kapelle ist auf dem Jubiläumsfoto der Freiwilligen Feuerwehr Rohrbach, das anlässlich des 25-jährigen Stiftungsjubiläums im Jahre 1902 aufgenommen wurde, zu sehen.

Freiwillige Feuerwehr Rohrbach - 25-jähriges Stiftungsjubiläum 1902 - vordere Reihe Musikkapelle

v. l. n. r.: Johannes Karg, Julius Kuhmann, Josef Steiner, Franz Kuhmann, Wilhelm Rupp, Ludwig Rupp

– 1909 –

Im Jahre 1909 ließen sich wieder musikbegeisterte Jugendliche bei Berthold Schuld, ebenfalls Sohn von Christian Schuld, in Sulzfeld Musikunterricht erteilen. Als jedoch die gestellten Aufgaben beim Musikunterricht immer schwieriger und das abendliche Lernen umfangreicher wurde, war die Begeisterung bei den meisten der Jungmusiker bald verschwunden. Von den anfangs 14 jungen Männern blieben drei übrig. Es waren dies Artur Maierhöfer, Karl Kunkel und Johann Kunkel. Da die kleine Kapelle aus der Zeit um die Jahrhundertwende durch Ausscheiden einiger Musiker wieder sehr geschwächt war, wurden die drei letztgenannten in die Kapelle integriert, wodurch diese wieder spielfähig wurde.

Diese Musik setzte sich aus folgenden Personen zusammen: Ludwig Rupp, Wilhelm Rupp, Johannes Karg, Artur Maierhöfer, Karl Kunkel und Johann Kunkel. Die kleine Kapelle zeigte ohne Übertreibung gute Leistungen, war beliebt und hatte unter sich eine hervorragende Kameradschaft, wie sie besser kaum anzutreffen war.

Diese Kapelle konnte bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges zusammenbleiben. Leider hat der Krieg auch Opfer von unserer Musik gefordert. Der Flügelhornist Ludwig Rupp sollte nicht mehr zurückkehren – er war bereits 1914 gefallen.

– 1920 –

Nach Beendigung des 1. Weltkrieges fanden sich wieder junge Männer zusammen, die nach der musikalischen Ausbildung bei Berthold Schuld in Sulzfeld die Kapelle wieder stärken sollten. Es waren dies Heinrich Kraus, Josef Kuhmann und Eugen Heß. Die so gebildete Kapelle gestaltete das 50-jährige Jubiläum der Freiwilligen Feuerwehr mit, welches vom 21.-23.05.1927 gefeiert wurde. Vom 01.-03.07.1933 nahm die Kapelle am Lindenfest des Männer-Gesangvereins „Liederkranz“ teil.

Durch die Arbeitsplatzveränderung einiger Musiker wurde auch diese Gruppe nach Jahren guter Zusammenarbeit so geschwächt, dass sie nicht mehr spielfähig war.

Der damalige Bürgermeister Oskar Rupp trat 1933 an Johann Kunkel heran mit der Bitte, eine Musikkapelle neu aufzustellen. Kunkel hat die noch vorhandenen Musiker gebeten, der Musik zuliebe wieder zu den Instrumenten zu greifen.

Fehlende Kräfte konnte man freundschafts- und aushilfsweise aus Kronau erhalten, so dass die Musik eine Stärke von 8 - 10 Mann hatte. Leider hatten die Aushilfskräfte die Musikkapelle nach einigen Jahren wieder verlassen. Damit war die örtliche Musik wiederum zum Erliegen gekommen. Erwähnen sollte man noch, dass in diesem Zeitraum unter der Jugend ein Spielmannszug gebildet und von Berthold Schuld geleitet wurde.

– 1946 –

Bereits im Jahre 1946 hatten wiederum einige den Versuch gewagt, das kulturelle Leben in der Heimatgemeinde in Gang zu bringen. Im Januar 1948 war es dann wieder soweit, als August Heitlinger und sein Freund Robert Rebel zu Johann Kunkel kamen und über die Aufstellung einer örtlichen Musikkapelle sprachen. Gleichzeitig stellten sie an Kunkel die Frage, ob er die Leitung der geplanten Kapelle übernehmen würde.

Der Musik und dem Gesang hat Johann Kunkel in seinem Leben nie ablehnend gegenübergestanden und so sagte er zu. Als Kunkel dann anfangs Februar 1948 wieder in Rohrbach zu Besuch weilte, hatte August Heitlinger bereits mehr als zehn junge Männer gewinnen können, die an der Neuaufstellung einer Musikkapelle mitwirken wollten.

Es waren dies August Heitlinger, Robert Rebel, Albert Maierhöfer, Erwin Maierhöfer, Fritz Frenznick, Franz Jergl, Franz Wild, Josef Wild, Otto Böhm, Georg Wallisch, Hans Thullner, Johann Bäumel, Franz Zorn und Walter Ries. Im selben Jahr kamen noch Anton Kraus, Alfred Ries, Adolf Wamsler und Benno Wamsler dazu.

Mit einem Marsch und verschiedenen leichteren Musikstücken hatte sich die neue Kapelle bei der Weihnachtsfeier 1948 bereits musikalisch gezeigt. Im Januar 1949 war Johann Kunkel erkrankt und konnte dadurch der jungen, im Aufbau befindlichen Kapelle nicht mehr als Dirigent vorstehen. Emil Heininger aus Eppingen hat an seiner Stelle die Leitung der Kapelle aushilfsweise übernommen. Nachdem im Laufe des Sommers 1949 die Kapelle Herrn Heininger die musikalische Leitung entzogen hatte, wurde Josef Rothmeier mit der Stabführung beauftragt. Nach Ausscheiden von Dirigent Rothmeier schloss sich die Kapelle der Feuerwehrkapelle Mühlbach zur gegenseitigen Unterstützung an.

Dieser Zusammenschluss war, bedingt durch die größere Entfernung zwischen beiden Orten, auch nur von kurzer Dauer. Nun stand die kleine Kapelle ohne musikalischen Leiter da. Dies war der Zeitpunkt, als man sich vertraglich der Freiwilligen Feuerwehr Rohrbach anschloss. Der Anschluss an die Feuerwehr konnte der Musik aber keine positiven Impulse vermitteln.

Dass dieser führerlose Zustand zum Verfall der Kapelle führen musste, zeigte sich alsbald. Als die Kapelle auf dem Tiefpunkt ihrer Leistungen angelangt war, kamen am ersten Sonntag im April des Jahres 1950 einige Musiker zu Johann Kunkel, mit der Bitte, die musikalische Leitung der Kapelle wieder zu übernehmen. Für das naheliegende Fronleichnamsfest wurden sofort Choräle einstudiert. Kunkels weiteres Bestreben war es Konzert- und Unterhaltungsstücke in die Probenarbeit mit einzubringen, um die Musik auch für schwerere Aufgaben heranzubilden.

– 1951 –

Im Frühjahr 1951 unterrichtete Kunkel die Kapelle von seinem Vorhaben, der „Gründung eines Musikvereins“. Die Auffassung der Musiker über dieses Vorhaben war geteilt, weil sie sich einerseits an die Feuerwehr gebunden fühlten und andererseits einem Verein gegenüber eine erhöhte Verpflichtung zu sehe war.

Weiterhin wurde der Gedanke einer Vereinsgründung noch dadurch gestärkt, dass die Musik für musikalische Veranstaltungen von der GEMA mit Rechnungen überschüttet wurde.

Um die Aufnahme der Kapelle in den Bund Süddeutscher Volksmusik zu ermöglichen, wurde mit dem damaligen Landesleiter für Nordbaden, Herrn Friedrich Hohn, Verbindung aufgenommen. Die Arbeit hinsichtlich der geplanten Vereinsgründung war vielfältig. Johann Kunkel musste jede freie Stunde nutzen, um die musikalischen und schriftlichen Arbeiten, die sich durch das bevorstehende Gründungsfest des Musikvereins ergaben, bewältigen zu können.

Neben diesen Arbeiten musst die Durchführung einer Mitgliederwerbung in Angriff genommen werden. Als etwa 40 Mitglieder geworben waren, ließ es Kunkel genug sein und hatte in der Musik, vor allem in Albert Maierhöfer einen willigen jungen Mann, dem die weitere Werbung nach dem Feste oblag.

Am Samstag, dem 25. August 1951, war der Tag gekommen, an dem abends der Musikverein mit dem Gründungsfest seinen Anfang nehmen sollte. Die gesamte Bevölkerung war von dem bevorstehenden Ereignis ergriffen und fleißige Hände begannen mit der Herrichtung und Ausschmückung der Gebäudefassaden. Blumen und Girlanden wurden über die Straßen gespannt. Hieraus konnte man entnehmen, dass etwas „Großes“ zu erwarten war.

Musikverein Rohrbach - Gründungsjahr 1951

v. l. n. r.: Franz Wild Erwin Maierhöfer, Hans Thullner, Otto Böhm, Dirigent und Vorsitzender Johann Kunkel, Albert Maierhöfer, Fritz Frenznick, Adolf Wamsler, Johann Bäumel, Alfred Ries, Josef Wild

 

Termine

31.10.2014 00:00
Jubiläum Heimatverein Rohrbach
11.11.2014 18:00 - 19:30
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